Recht und Ethik der modernen Medizin

AG der Enquete-Kommission<br>Recht und Ethik der modernen Medizin<p>Debatte ohne Ethik<br>Britisches Oberhaus stimmt für die Zulassung des therapeutischen Klonens

AG der Enquete-Kommission
Recht und Ethik der modernen Medizin

Debatte ohne Ethik
Britisches Oberhaus stimmt für die Zulassung des therapeutischen KlonensAG der Enquête-Kommission
Recht und Ethik der modernen Medizin

Debatte ohne Ethik –
Britisches Oberhaus stimmt für die Zulassung des therapeuti-schen Klonens

Zur Entscheidung des britischen Oberhauses, der Regierungsvorlage zur Freigabe des therapeutischen Klonens zuzustimmen, erklärt der Sprecher der SPD-Arbeitsgruppe in der Enquête-Kommission „Recht und Ethik der modernen Medizin„, Dr. Wolfgang Wodarg:

In Großbritannien haben die Befürworter des Klonens menschlicher Zellen einen weiteren Sieg errungen. Das britische Oberhaus billigte in der Nacht zum Diens-tag einen Gesetzentwurf der Regierung, der die Zulassung des so genannten therapeutischen Klonens vorsieht. Das Human Fertilisation and Embryology Act aus dem Jahr 1990 wird nun liberalisiert. Großbritannien ist damit das erste Land in Europa, das das Klonen menschlicher Zellen legalisiert.

Das neue Gesetz erlaubt die Forschung an menschlichen embryonalen Stamm-zellen. Diese „Alleskönner„ treten im Frühstadium von Embryonen auf und besit-zen – so die derzeitige Annahme der Wissenschaftler – die Eigenschaft, sich in jede andere Zellform des menschlichen Körpers zu verwandeln. Die Befürworter er-hoffen sich davon eine Revolutionierung der Transplantationsmedizin. Sie argu-mentieren, dass aus Stammzellen ein unerschöpfliches Reservoir von Gewebe- und Organersatz gezüchtet werden könne. Dies sei insbesondere für die Behand-lung neuronaler Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson von großer Bedeu-tung.

Das Potential embryonaler Stammzellen ist wissenschaftlich jedoch längst nicht geklärt. Für eine ausgewogene Diskussion in Deutschland ist es daher essentiell, dass zuerst der medizinische Sachstand seriös aufbereitet werden muss. Dies heißt zu fragen: Gibt es Alternativen zum Verbrauch von menschlichen Embryonen? Welches Potential haben Stammzellen aus Nabelschnurblut oder aus Körperzellen von Erwachsenen? Vor dem Hintergrund der vielzähligen noch ungeklärten Fra-gen hat auch die Ethik-Beratergruppe der Europäischen Union die britische Ent-scheidung als „verfrüht„ kritisiert.

Doch schwerer wiegen die ethischen Bedenken, über die in Deutschland noch ausführlich diskutiert werden muss. Denn:

· Dieselbe Technologie, die im Falle des so genannten therapeutischen Klonens zum Einsatz kommt, kann auch für das reproduktive Klonen verwendet werden. Jede Verbesserung der „Dolly Methode„ rückt also auch die genetische Kopie eines Menschen näher in den Bereich des Machbaren.

· Die Herstellung und der Verbrauch menschlicher Embryonen überschreitet eine ethische Grenze. Denn menschliche Embryonen haben prinzipiell das Potential, sich zu einem menschlichen Individuum zu entwickeln. Das therapeutische Klonen nimmt also den Verbrauch menschlichen Lebens zu medizinischen Zwecken bewusst in Kauf.

· Das therapeutische Klonen erfordert die Gewinnung von Eizellen in bisher un-geahntem Ausmaß. Denn die Zellkerne der Körperzellen müssen in „entkernte„ menschliche Eizellen transferiert werden. Die Entnahme von Eizel-len ist jedoch ein medizinisch keineswegs risikofreier Eingriff, der zudem nicht mit einem direkten Nutzen für die Spenderin verbunden ist.

Das britische Oberhaus hat in seiner Abstimmung über die Regierungsvorlage be-schlossen, dass die ethischen Fragen zu „einem späteren Zeitpunkt„ vor einer Sonderkommission debattiert werden sollten. Doch ethische Fragen dürfen nicht an einen geschlossenen Zirkel von Experten delegiert werden, sondern erfordern eine breite gesellschaftliche Debatte. Ansonsten ist die Ethik – wie der bekannte Soziologe Ulrich Beck es einmal formuliert hat – nicht mehr als eine „Fahrradbremse am Interkontinentalflugzeug„.