Zum Tode von Hans-Jürgen Wischnewski erklärt der SPD-Parteivorsitzende, Franz Müntefering:

"Die SPD trauert um Hans-Jürgen Wischnewski, der gestern im Alter von 82 Jahren in Köln verstorben ist

„Die SPD trauert um Hans-Jürgen Wischnewski, der gestern im Alter von 82 Jahren in Köln verstorben ist

Hans-Jürgen Wischnewski wurde am 24. Juli 1922 im ostpreußischen Allenstein geboren. Sein Vater kam aus Gelsenkirchen als Zollbeamter dorthin. Sein Abitur machte Hans-Jürgen in Berlin. Fünf Jahre – bis 1945 – war er dann im Krieg. Diese Erfahrung hat ihn geprägt und wurde zum Fundament seiner demokratischen Überzeugung und seines lebenslangen Bemühens um friedliche Konfliktlösungen in vielen Teilen der Welt.

1946 trat er der SPD bei und der IG Metall. 59 Jahre gehörte er dazu. Er hat der sozialdemokratischen Idee und unserem Land auf herausragende Weise gedient und viel Gutes für die Menschen bewirkt. Er war ein Politiker mit Leidenschaft und Augenmass.

Sein Lebenswerk war ein Zeichen und Ansporn für viele, bis zuletzt.

Hans-Jürgen Wischnewski war ein Ausnahmepolitiker. Seine menschliche Art und seine politischen Fähigkeiten haben ihn über Parteigrenzen hinweg zu einem der beliebtesten und anerkanntesten Politiker der vergangenen Jahrzehnte gemacht. In vielen Ämtern und Funktionen war er ein unermüdlicher, auf Ausgleich und Geschlossenheit bedachter Freund und Genosse. Die internationalen Aufgaben der Sozialdemokratie im Kampf um Frieden und Freiheit waren sein ganz besonderes Anliegen.

Hans-Jürgen Wischnewski war Vorsitzender der Jungsozialisten, – der erste nach dem Krieg – 1968 Bundesgeschäftsführer und Wahlkampfleiter 1969, Schatzmeister der SPD, Mitglied des Parteivorstands, stellvertretender Vorsitzender der SPD. Von 1957 bis 1990 gehörte er ununterbrochen für den Wahlkreis Köln 1 dem Deutschen Bundestag an. In der Großen Koalition bekleidete er ab 1966 für zwei Jahre das Amt des Bundesministers für wirtschaftliche Zusammenarbeit, war später Staatsminister im Auswärtigen Amt.

In seiner Zeit als Staatsminister im Kanzleramt bei Bundeskanzler Helmut Schmidt fiel die größte Bewährungsprobe in seinem politischen Leben: Die Rettung der von Terroristen entführten 90 Geiseln in einem Flugzeug in Mogadischu. Seinem Verhandlungsgeschick war es zu verdanken, dass ihr Leben gerettet werden konnte. Dieses Ereignis war symptomatisch für seine Art, sich einzusetzen, zu kämpfen, die Lösung zu suchen.

In zahllosen anderen Fällen hat Hans-Jürgen Wischnewski sein Talent als Krisenmanager bewiesen, besonders in Mittelamerika und im Nahen Osten, dem seine besondere Sorge galt. Früh ist er für einen christlich-islamischen Dialog eingetreten, wissend, dass der Frieden auf der Welt auch den Frieden zwischen den Weltreligionen braucht.

Als Vorsitzender des Nah-Ost Komitees der Sozialistischen Internationale hat er erste Gespräche zwischen Israelis und Palästinensern vermitteln können. Er war ein Freund der Israelis und ein Freund der Araber und gab damit ein gutes Beispiel für Ausgleich und Versöhnung. Dort werden heute viele um Ben Wisch trauern, den Mann des pragmatischen Handelns und der Leidenschaft für die Sache.

Trotz seines diplomatischen Geschicks war Hans-Jürgen Wischnewski ein kantiger Politiker: Er hatte seine Grundsätze, die er prinzipientreu vertrat, wo nötig deutlich und hart. Aber er war eben auch ein Meister der politischen Analyse, der sich auf neue politische Lagen sicher und schnell einstellen konnte.

Mit seinem großen Wissen um internationale Zusammenhänge und seinen persönlichen Beziehungen zu Führungspersönlichkeiten in aller Welt hat er der SPD, Bundesregierungen und unserem ganzen Land gedient.

Vor allem war Hans-Jürgen Wischnewski ein Freund der Menschen, der Politik machte, weil er ihre Lebensumstände zum Besseren verändern wollte: Sei es in unserem Land, sei es in anderen Teilen der Welt. Er hat mitgeholfen, mehr Freiheit und Demokratie, mehr Solidarität und Gerechtigkeit zu verwirklichen. Viele Menschen verehren und lieben ihn dafür.

Hans-Jürgen mochte das Leben und er versteckte das nicht.

Vielleicht gerade deshalb konnten private Schicksalsschläge, Rollstuhl und schwere gesundheitliche Rückschläge ihn nicht davon abhalten, in seinem geliebten Köln, hier in Berlin und in den Ländern des Nahen Ostens bis in die jüngste Zeit unterwegs zu sein, mit Elan, unverwüstlich und immer mit noch einem Scherz auf den Lippen. Mut machend.

Wir deutschen Sozialdemokraten sind stolz und dankbar, dass Hans-Jürgen Wischnewski einer von uns war. Mit uns trauern viele, in Deutschland und in der Welt.

Wir verneigen uns in Dankbarkeit.“