Claus Möller: Mit einem früheren Eingeständnis hätte sich Günter Grass selbst etwas Gutes getan

Zur Diskussion um den Schriftsteller Günter Grass erklärt SPD-Landesvorsitzender Claus Möller :

„Günter Grass ist seit Jahrzehnten ein Freund der schleswig-holsteinischen Sozialdemokratie; er hat uns in vielen Wahlkämpfen aktiv und kritisch unterstützt. Dass seine Gegner und Neider sein Eingeständnis, 1944 als 17-jähriger in der Waffen-SS war nutzen, um sein literarisches und politisches Lebenswerk in Zweifel zu ziehen, überrascht nicht. Durch sein spätes Bekenntnis macht er es seinen Gegnern leicht; seinen Freunden aber macht er es schwer. Günter Grass hat seit Jahrzehnten die deutsche Demokratie mitgeprägt – streitbar, kämpferisch, mit hohem moralischen Anspruch an sich und andere. Nun wissen wir, auch er hat seine Widersprüche. Er hat der Öffentlichkeit einen Teil seiner Biografie verweigert.

Warum erst jetzt das späte Eingeständnis? Kein Zweifel: Hier versucht ein Mann im Alter von 78 Jahren mit sich ins Reine zu kommen. Das erfordert Mut, das macht ihn sehr menschlich. Dennoch sind viele enttäuscht über sein spätes Eingeständnis. Wir auch. Mit einer früheren Klarstellung hätte er sich selber etwas Gutes getan. Wir stehen kritisch, aber solidarisch an seiner Seite. Die von ihm geschaffenen Werke der Weltliteratur bleiben.“