Stefan Bolln: SPD will Klimaschutz – ohne Atomenergie

Der umweltpolitische Sprecher der SPD Schleswig-Holstein, Stefan Bolln, erklärte zur heutigen Klimaschutzdebatte im Deutschen Bundestag:


„Die SPD ist auf allen Ebenen die Partei des Klimaschutzes. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel und die SPD haben heute im Bundestag klare Vorstellungen vorgelegt, wie den Herausforderungen des Klimaschutzes zu begegnen ist. Mehr denn je mahnt uns der heutige 21. Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl, den Ausstieg aus der Atomkraft dabei nicht in Frage zu stellen. Zuletzt hatte man bei einigen öffentlichen Erklärungen den Eindruck, dass das Festhalten an der Atomkraft den nationalen und internationalen Anstrengungen gegen den Klimawandel helfen würde. Zum einen zeigte sich bei den Vorfällen im schwedischen Forsmark, dass die Technik nicht sicher ist. Zum anderen ist generell bei der Atomkraft die Entsorgungsfrage nicht geklärt. Weltweit sind seit dem 1.01.2007 sieben Atomkraftwerke weniger am Netz. Bis zum Jahre 2020 werden mehr Kraftwerke abgeschaltet als in Betrieb genommen. Deutschland liegt ungeachtet des öffentlichen Eindruckes also voll im globalen Trend.


Auch die Annahme, dass Atomkraftwerke eine positive CO2 Bilanz hätten, ist falsch: Eine Studie des Öko-Instituts bilanziert, dass ein deutsches Atomkraftwerk je nach Herkunftsort des Urans zwischen 31 und 61 Gramm CO2 pro Kilowattstunde Strom produziert. Demgegenüber verursachen erneuerbare Energien wie die Windkraft (23 Gramm CO2 pro Kilowattstunde) oder die Wasserkraft (39 Gramm CO2 pro Kilowattstunde) niedrigere Emissionen.


Der beschrittene Weg in Deutschland ist richtig und muss fortgesetzt werden. Neben Energieeffizienz und den Anstrengungen die erneuerbaren Energien weiter zu stärken, muss konsequent die Kraft-Wärme-Kopplung in privaten und öffentlichen Gebäuden zum Einsatz kommen.


Betrachtet man, dass jeder Haushalt neben Strom ja auch Wärme benötigt und dass es erheblich effizienter ist, die Abwärme bei der Stromproduktion zu nutzen, relativiert sich der vermeintliche Klimaschutzvorteil des Atomstroms weiter. Denn wer Atomstrom bezieht, muss seinen Wärmebedarf anderwärtig decken, typischerweise mit einer Öl- oder Gasheizung. Ein kleines Gas-Blockheizkraftwerk, das gleichzeitig Strom und Wärme erzeugt, produziert demgegenüber weniger CO2 als die Kombination aus Atomstrom und Ölheizung: 747 Gramm CO2 für das Gas-Blockheizkraftwerk im Vergleich zu 772 Gramm CO2 für die Atom-Öl-Kombination (jeweils bezogen auf die Produktion von 1 kWh Strom und 2 kWh Wärme). Die mit Abstand beste Klimabilanz hat in dem Zusammenhang ein Biomasse-Blockheizkraftwerk mit 228 Gramm CO2.


Aus Klimaschutzgründen brauchen wir also nicht mehr Atomstrom, sondern mehr Kraft-Wärme-Kopplung! Wir Sozialdemokraten in Schleswig-Holstein werden diesen Kurs verfolgen.“