Ralf Stegner zum Fall Zumwinckel

„Versager im Topmanagement untergraben das Vertrauen in die soziale Marktwirtschaft“

„Versager im Topmanagement untergraben das Vertrauen in die soziale Marktwirtschaft“

Zur Diskussion nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Post-Chef Zumwinkel erklärt der SPD-Landesvorsitzende Ralf Stegner:

„Was sich im Topmanagement wichtiger Konzerne tut, muss jeden überzeugten Marktwirtschafter zutiefst erschrecken. Mit dem Fall Zumwinckel setzt sich die Reihe jener Topmanager großer Konzerne fort, die durch ihr Verhalten das Vertrauen der Menschen in die soziale Marktwirtschaft untergraben. Die Gleichzeitigkeit von exorbitanten Gewinnen und Managergehältern auf der einen und brutalem Stellenabbau auf der anderen Seite zerstört nicht nur die moralischen Grundlagen der sozialen Marktwirtschaft, sondern gehen auch an die ökonomische Substanz unseres Gemeinwesens.

Diese Versager im Topmanagement stürzen wie zuletzt bei NOKIA tausende von Familien in existentielle Probleme, obwohl die Firmenbilanzen Rekordgewinne ausweisen. Sie verlagern Arbeitsplätze ins Ausland, obwohl sie hohe öffentliche Unterstützung für den Erhalt von Arbeitsplätzen in Deutschland kassiert haben und hier gute Gewinne erwirtschaften.

Dass die öffentliche Hand mit Millionenbeträgen große Unternehmen und Großbanken stützt, deren Vertreter gleichzeitig weniger Staat fordern, ist an Widersprüchlichkeit kaum zu überbieten. Wenn sich nun auch herausstellt, dass Topmanager und Großverdiener im großen Stil ihr Geld am Fiskus vorbei nach Liechtenstein und anderswo schleusen, ist das ein Konjunkturprogramm für die Parteien am rechten und linken Rand.

In Deutschland muss neu und intensiv eine Diskussion über Fragen der sozialen Gerechtigkeit geführt werden. Und auch darüber wer in diesem Staat tatsächlich die Leistungsträger sind, müssen klare Worte gesprochen werden. In meinen Augen sind dies nicht mehr die Topmanager, sondern die große Zahl der mittelständischen Unternehmer mit sozialer Verantwortung und Bindung an ihren Heimatstandort. Und es sind die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den Büros, Fabriken und Handelsläden, Lehrerinnen und Lehrer, Polizei, Feuerwehrleute, die Menschen in den Pflegeberufen und die Eltern mit Kindern. An dieser Mitte unserer Gesellschaft ist der Konjunkturaufschwung bisher weitgehend vorbei gegangen.

Jetzt ist es an der Zeit, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an dem Aufschwung, den sie miterarbeitet haben, auch angemessen zu beteiligen. Das gilt in allen Branchen – auch im öffentlichen Dienst.“