SPD-Frauen feiern „90 Jahre Frauenwahlrecht“

Auf Festveranstaltungen ihrer Partei in Berlin und Kiel, aber auch mit einem Exponat

in Lübeck erinnert die AsF (Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen) an den 12. November 2008 – als Tag, an dem vor 90 Jahren den Frauen in Deutschland erstmals das Wahlrecht zugestanden wurde.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges hieß es in einem Aufruf des „Rates der Volksbeauftragten“ vom 12. November 1918: „Alle Wahlen zu öffentlichen Körperschaften sind fortan nach dem gleichen, geheimen, direkten, allgemeinen Wahlrecht aufgrund des proportionalen Wahlsystems für alle mindestens zwanzig Jahre alten männlichen und weiblichen Personen zu vollziehen.“

Was hier so juristisch trocken und lapidar daherkam, war zuvor jahrzehntelang heftig umstritten gewesen. Zwar hatten zeitgleich mit den großen politischen Bewegungen des 18. und 19. Jahrhunderts – Französische und 1848er Revolution, Sozialismus, aber auch Gründung bürgerlicher Parteien – viele Frauen die Forderung nach gleichen Rechten angemeldet. Doch sie wurden bestenfalls ignoriert, schlimmstenfalls kriminalisiert, wenn sie etwa wie Olympe de Gouges (die Vorkämpferin für Frauenrechte in der Französischen Revolution) auf dem Schafott endeten.

Die Sozialdemokratie war – nicht zuletzt unter dem Einfluss von August Bebel – die erste deutsche Partei, welche die Gleichberechtigung von Frauen und Männern auf ihre Fahnen schrieb.

Doch dauerte es nach dem wegweisenden „Erfurter Programm“ von 1891 noch eine Generation, bis Krieg und Zusammenbruch des Kaiserreichs die letzten Widerstände gegen politische Rechte für Frauen beseitigten.

Hatte Deutschland hier im Vergleich vor allem mit den angelsächsischen und skandinavischen Ländern einige Jahre Rückstand, so verloren die Frauen ihre politische Gleichberechtigung – und der Parlamentarismus jedwede Bedeutung – kurz darauf wieder unter dem Nationalsozialismus.

Andere Benachteiligungen für Frauen hatten auch in der Weimarer Republik und der jungen Bundesrepublik angehalten: Die ehe- und familienrechtlichen Passagen im Bürgerlichen Gesetzbuch, die dem Mann die alleinige bzw. letzte Entscheidungsgewalt zugestanden, wurden erst lange nach dem Zweiten Weltkrieg revidiert; die politische Repräentation von Frauen, in Weimar nach wenigen Reichstagswahlen wieder abgesackt, besserte sich erst während der 1980er Jahre (um jedoch vielerorts inzwischen erneut einzubrechen); das Einkommensgefälle zwischen Männern und Frauen bleibt in Deutschland besonders hoch – was viele wirtschaftliche, soziale und auch politische Probleme nach sich zieht.

„Es gibt noch viel zu tun!“ Unter dieses Motto stellt die schleswig-holsteinische AsF ihre Mitwirkung im Rahmen des Festaktes der SPD-Landtagsfraktion am 12. November in Kiel. Wer in Lübeck nach Spuren politischer „Frauenemancipation“ sucht, wird am besten im SPD-Schaufenster in der Großen Burgstraße 51 fündig: Ein authentisches „Suffragettenkostüm“ (Suffragette = Vorkämpferin für das Frauenstimmrecht) aus dem Fundus des Lübecker Theaters präsentiert einen Wahlzettel aus der Weimarer Zeit.