Sage nein!

Die Landesvorsitzende der Jusos Schleswig-Holstein, Anne-Christin Heinrich, äußert sich besorgt zur Stern-TV-Sendung vom 28.10.2009.

Die Landesvorsitzende der Jusos Schleswig-Holstein, Anne-Christin Heinrich, äußert sich besorgt zur Stern-TV-Sendung vom 28.10.2009.

RTL und Günther Jauch haben gestern Abend eindrucksvoll gezeigt, wie die deutsche Gesellschaft mit dem Problem rechtsextremen Gedankenguts umgeht – überfordert und bestenfalls ausweichend. In Zeiten, in denen die ganze Welt auf Deutschland schaut, weil in Dresden über den ausländerfeindlich motivierten, unsinnigen und kaltblütigen Mord an einer jungen Ägypterin verhandelt wird, äußert sich in der Sendung Stern TV am Mittwochabend ein Familienvater, der zum Thema Hartz IV eingeladen war, dahingehend, dass er die NPD gewählt habe. In Deutschland gebe es ein Problem, es habe mit den Ausländern zu tun, die, wie er sinngemäß aussagt, nur hierher kämen, um die Sozialleistungen zu kassieren. So weit, so schlecht. Die geneigte Zuschauerin erwartete ein klares Statement der Anwesenden, angefangen bei Deutschlands Lieblingsfernsehmoderator, weitergehend über das fachkundige Expertenteam aus Gewerkschafter und Wissenschaft. Doch was ist die Reaktion? „Na, die können ihre Probleme auch nicht lösen.“ Ein Satz. Ein Satz nur von dem Mann, den eine Mehrheit der Deutschen sich angeblich zum Bundeskanzler wünscht. Keine deutliche Aussage dazu, wie falsch und wie gefährlich eine solche Auffassung ist. Kein Wort in Richtung Fernsehpublikum, dass man solche Äußerungen in einer RTL-Sendung nicht unwidersprochen toleriere. Nur der Hinweis auf die unbestrittene Unfähigkeit der NPD.

Wo in unserer Gesellschaft rechtsextremes Gedankengut seinen Ausdruck findet, da bedarf es starker DemokratInnen, die sich dem entgegenstellen und klar und deutlich „Nein!“ sagen zu populistischen Parolen. Demokratie beschränkt sich auch für RTL nicht auf die Ausstrahlung des Kanzlerduells. Günther Jauch hat eine Vorbildfunktion in dieser Gesellschaft, die ihm von seinen ZuschauerInnen angetragen wird. Dieser muss er gerecht werden, insbesondere in einer Sendung, die sich dem Bereich Infotainment verschieben hat.

Ich fordere RTL und Günther Jauch auf, zur gestrigen Sendung dezidiert und an gleicher Stelle Stellung zu nehmen. Ein angemessener Nachbericht, auch über die Gefahr rechsextremer Parolen und mangelnder Zivilcourage, in der kommenden Sendung ist angebracht.

Jeden einzelnen Verantwortlichen in Medien, Politik und Gesellschaft fordere ich weiterhin auf, rechtsextreme Parolen nicht unwidersprochen stehen zu lassen. Seien wir ein Vorbild für kommende Generationen!