Heute vor 40 Jahren: Willy Brandt in Erfurt

Heute vor 40 Jahren, am 19. März 1970, bekam der Eiserne Vorhang die ersten Risse. Willy Brandts kurzer Auftritt vor jubelnden Menschen an einem Hotelfenster in Erfurt zeigte der Welt, dass die Teilung Deutschlands die Menschen in Ost und West nicht endg

Heute vor 40 Jahren, am 19. März 1970, bekam der Eiserne Vorhang die ersten Risse. Willy Brandts kurzer Auftritt vor jubelnden Menschen an einem Hotelfenster in Erfurt zeigte der Welt, dass die Teilung Deutschlands die Menschen in Ost und West nicht endg

Auf unscharfen Schwarz-Weißbildern erlebte Westdeutschland, wie Bundeskanzler Willy Brandt erstmals seit der Gründung zweier deutscher Staaten den Ministerpräsidenten der DDR, Willi Stoph, traf. Es war der Auftakt zu einer Ostpolitik, an deren Ende die Vereinigung Deutschlands stand.





Begleitet von wütenden Angriffen der christdemokratischen Opposition im Bundestag leitete Willy Brandt mit diesem ersten Besuch in der DDR eine Wende in der Ostpolitik der Bundesrepublik ein. Während Barzel und Strauß von Verrat an deutschen Interessen sprachen, ging die von Brandt geführte sozialliberale Bundesregierung zu einer Politik des Wandels durch Annäherung über.

Auch wenn bei Brandts erstem Besuch in Erfurt wenig Greifbares vereinbart wurde: Nach dem 19. März 1970 verbesserten sich schrittweise die Kontaktmöglichkeiten für die Menschen im geteilten Deutschland. Der brüchige Frieden zwischen den hoch gerüsteten Militärblöcken wurde stabiler. Willy Brandts Ostpolitik war deshalb im Interesse Deutschlands und Europas richtig. Für diese weitsichtige Politik wurde er im Dezember 1971 hochverdient mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Am 19. März 1970 hatten viele Erfurter Bürgerinnen und Bürger die Polizeisperren am Bahnhof überwunden und jubelten Brandt zu, als er sich kurz am Fenster zeigte. Sie riefen in Sprechchören: „Willy Brandt ans Fenster“. An diesen Ruf in diesem historischen Moment erinnert heute eine Leuchtschrift auf dem Dach des Hotels „Erfurter Hof“.