Genossenschaften – Gemeinschaftsunternehmen der Zukunft?

Die Kurzfristigkeit wirtschaftlichen Denkens produziert Umweltkrisen genauso wie Finanzkrisen. Die Geringschätzung der Zukunft ist das Hauptproblem in der Politik wie in der Wirtschaft.

Die Kurzfristigkeit wirtschaftlichen Denkens produziert Umweltkrisen genauso wie Finanzkrisen. Die Geringschätzung der Zukunft ist das Hauptproblem in der Politik wie in der Wirtschaft.

Deswegen braucht unsere Wirtschaft gerade jetzt eine politische Weichenstellung in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung. Zukunftsfähig Wirtschaften bedeutet, dass wir unseren Kindern und Enkelkindern ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Gefüge hinterlassen müssen. Das eine ist ohne das andere nicht zu haben. Der Mensch muss wieder in den Mittelpunkt gestellt werden. Die Wirtschaft ist für die Menschen da und nicht umgekehrt!

Um Arbeitsplätze nachhaltig zu sichern, muss die Wirtschaft zukunftsfähig gemacht werden. So sind unter anderem in den Bereichen Medizin-, Umwelt- und Informationstechnologie sowie im Maschinen- und Anlagenbau hohe Zuwächse zu verzeichnen. Durch Qualität und Innovation sind die Unternehmen auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig. Nachhaltig die Industrie- und Handwerksstandorte sichern heißt Fachkräfte auszubilden. Dafür müssen wir die Talente in Schleswig Holstein suchen und finden, in den Betrieben, Fachhochschulen und Universitäten. Diese Fachkräfte auch im Land zu halten, macht familienfreundliche Arbeitszeiten und Ausbau der Kinderbetreuung unabdingbar.

Mitbestimmung ist ein Grundpfeiler unserer Wirtschafts- und Sozialordnung. Sie ist die Grundlage für wirtschaftlichen Erfolg und – besonders wichtig in der gegenwärtigen Wirtschafts- und Finanzkrise – auch für den sozialen Frieden. Gesunde Unternehmen entwickeln sich nur dort, wo sich ihre Beschäftigten mit den Zielen und Produkten identifizieren können.

Schleswig Holstein ist seit jeher Heimat zahlreicher Genossenschaften im Handel (Co-op), in der Landwirtschaft (Raiffeisen), in der Finanzwirtschaft (Volksbanken) und in der Wohnungswirtschaft (z.B. SBV Flensburg). Das Genossenschaftsmodell gibt Stabilität in der Region und Entwicklung mit den Menschen vor Ort.
Der Genossenschaftsgedanke ist ein Kind der Industrialisierung und hat Antwort auf viele gesellschaftliche Herausforderungen gegeben. Im Spannungsfeld zwischen Tradition und den neuen gesellschaftlichen Entwicklungen, gerade auch der angebliche Zwang sich an globalisierte Märkte anzupassen, waren Genossenschaften in den letzten Jahrzehnten immer mehr „aus der Mode gekommen“, verschwanden oder wurden zu Aktiengesellschaften umgewandelt. Gerade in jüngster Zeit, mit einem geradezu entfesselten Arbeits-, Energie- und Finanzmarkt, gewinnen Genossenschaftsmodelle jedoch eine neue Bedeutung. Als Beispiele sind die neu entstandenen Genossenschaften auf dem Energiesektor zu nennen, die sich gegen die vorherrschenden großen Energiekonzerne erfolgreich durchsetzen, z.B. die Greenpeace Energy eG, die mit sauberem Strom handelt, oder der Strompool Probstei, eine Einkaufsgemeinschaft.
Wenn wir heute von Genossenschaften reden, dürfen wir uns jedoch nicht auf das klassische Bild beschränken. So zählen heute auch Dienstleistungsgenossenschaften dazu. Beispielsweise gibt es in Hamburg und Bremen jeweils eine Genossenschaft von Behinderten, in denen sich diese ihre Betreuung selbst organisieren und damit ein großes Stück Menschenwürde zurückgewinnen.
„die tageszeitung“ ist eine Genossenschaft und wahrscheinlich gäbe es die taz gar nicht mehr, wäre sie keine Genossenschaft. Im Sinne der genossenschaftlichen Sicherung der Lebensmittelqualität wurden Genossenschaften für den Vertrieb ökologischer Nahrungsmittel gegründet. Viele freie Schulen werden in der Rechtsform der Genossenschaft geführt.

Kann die Stärkung des Genossenschaftsgedankens in Zukunft ein Gemeinschaftsmodell sein, um die Bürgerinnen und Bürger in Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung zu stärken? Sind Genossenschaften die modernen Gemeinschaftsunternehmen der Zukunft, die sich damit dem reinen Profitdenken von Kapitalgesellschaften entgegenstellen? Ein Genossenschaftstag im Herbst wird sich mit diesem Thema beschäftigen und ein erster Schritt sein den Genossenschaftsgedanken nachhaltig zu stärken.