An Dreistigkeit nicht zu überbieten: Carstensen wirbt für Medizinstandort Lübeck – und macht ihn dicht

Verkehrte Welt in Berlin und Kiel: Unter dem Motto „Medizintechnik auf Innovationskurs“ hatte Ministerpräsident Carstensen (CDU) gestern in die Landesvertretung Schleswig-Holsteins in Berlin eingeladen.

Verkehrte Welt in Berlin und Kiel: Unter dem Motto „Medizintechnik auf Innovationskurs“ hatte Ministerpräsident Carstensen (CDU) gestern in die Landesvertretung Schleswig-Holsteins in Berlin eingeladen.

Die Medizintechnik im Norden wurde als „Schlüsseltechnologie“ und „Zugpferd für die Gesundheitswirtschaft für Deutschland und Europa“ gelobt.

„Dieser Auftritt ist an Dreistigkeit nicht zu überbieten!“, so die Lübecker Bundestagsabgeordnete Gabriele Hiller-Ohm (SPD), die gestern an der Veranstaltung teilnahm. „In Berlin wird die Medizintechnik in höchsten Tönen gelobt – und in Kiel zerschlägt die Landesregierung mit dem Sparhammer die Universität Lübeck mit voller Wucht! Wie soll das zusammenpassen, Herr Carstensen?“

Das Argument, das die Schließung des Medizinstudiengangs in Lübeck nicht das Ende der Universität bedeute, ist für Hiller-Ohm nicht nachvollziehbar: „Wer dem Baum die Wurzeln kappt, wird im nächsten Jahr keine Blüten mehr sehen. Das sollte auch Herr Carstensen wissen. Medizinstandort Nummer eins wird Schleswig-Holstein nur mit der Lübecker Medizinischen Fakultät und der Uniklinik. Beide sind Grundlage und führende Impulsgeber für Innovation in Forschung und Gesundheitswirtschaft!“

Hiller-Ohm zweifelt auch die Wirtschaftlichkeit der Entscheidung der Landesregierung an: „Wer die Medizinische Fakultät schließt, nimmt in Kauf, dass sämtliches medizinisches und biotechnologisches Know-How in Wissenschaft und Wirtschaft verloren geht. Lübeck würde viele Arbeitsplätze verlieren. Auch die Fachhochschule müsste auf gemeinsam mit der Uni in langjähriger Kooperation durchgeführte Studiengänge im Bereich Gesundheit verzichten. Die Landesregierung kennt die verheerenden Folgen, schweigt sie aber tot!“

Zudem warnt Hiller-Ohm, die jahrelang Aufsichtsratsvorsitzende der HEG Hochschulstadtteil Entwicklungsgesellschaft mbH war, vor der drohenden Verödung des Hochschulstadtteils: „In vielen Jahren wurde unter großen Mühen der attraktive Hochschulstadtteil aufgebaut – ein einzigartiges städtebauliches Projekt. Als „Stadt der kurzen Wege“, die Wohnen und Arbeiten, Forschung und Lehre, Erholung und Freizeit bestmöglich vernetzt, bietet der Hochschulstadtteil die ideale Infrastruktur für den führenden Medizin-Standort im Land. Nun zerstört Schwarz-Gelb von Kiel aus das Fundament dieses Lübecker Zukunftsstadtteils. Diese blanke Chaos-Politik darf sich Lübeck nicht gefallen lassen! Ich rufe alle Lübeckerinnen und Lübecker auf, am Freitag mit der Lübecker Bürgerschaft nach Kiel zu fahren und gegen die Schließungspläne zu demonstrieren!“

Anmeldungen für die aus Spenden finanzierte Busfahrt am Freitag um 10 Uhr vom ZOB nimmt die SPD-Bürgerschaftsfraktion unter Tel. (0451) 122-1047 oder info@nullspdfraktion-luebeck.de entgegen.