Vom letzten Platz aus nach vorn blicken

Zum ,,Bildungsmonitor 2012" der Initiative Neue soziale Marktwirtschaft erklärt der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Martin Habersaat:

Zum ,,Bildungsmonitor 2012″ der Initiative Neue soziale Marktwirtschaft erklärt der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Martin Habersaat:

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) ist eine Lobby-Institution, die von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektro-Industrie finanziert wird. Kritiker werfen ihr vor, nicht an einer sozialen, sondern in Wirklichkeit an einer neo-liberalen Wirtschaft frei von staatlichen Einflüssen interessiert zu sein. Mit der Erstellung der aktuellen Studie wurde das Institut der deutschen Wirtschaft beauftragt. Studienleiter Prof. Dr. Axel Plünnecke ist für das Kompetenzfeld mit dem vielsagenden Namen ,,Humankapital und Innovationen“ zuständig.

Es ist allerdings nicht akzeptabel, dass die Wirtschaft Bildung in erster Linie unter dem Aspekt der ökonomischen Verwertbarkeit betrachtet und demgegenüber wesentliche Fortschritte auf dem Weg zur Bildungsgerechtigkeit in die Platzierung nur am Rande einfließen lässt. Schleswig- Holstein kann stolz darauf sein, wenn es auf dem Handlungsfeld der Integration einen zweiten Platz und beim Umgang mit der Lebenszeit junger Menschen sogar einen ersten Platz belegt.

Deshalb sind Veröffentlichungen der INSM mit Vorsicht zu genießen, ignorieren muss man sie aber nicht, weil sich aus manchen Vergleichszahlen Handlungsbedarfe ableiten lassen. Der Bildungsmonitor wurde zum neunten Mal veröffentlicht, und 2012 belegt Schleswig-Holstein in der Vergleichsstudie den letzten Platz, konnte seit 2004 die geringsten Fortschritte machen. Den größten Sprung nach vorne machte Hamburg.

Für Schleswig-Holstein, das Berlin als Schlusslicht abgelöst hat, stellt der Bildungsmonitor u.a. fest:

  • Der Anteil an Studierenden war mit 5,5 Prozent der niedrigste nach Mecklenburg-Vorpommern, auch die Anzahl der Akademiker insgesamt ist sehr niedrig.
  • Die Anzahl an internationalen Kooperationen ist bei den Hochschulen in Schleswig-Holstein besonders niedrig.
  • Andere Länder haben bei den PISA-Ergebnissen größere Fortschritte gemacht.
  • Positiv: Die Wiederholerquoten waren 2010 in Schleswig-Holstein geringer als in den meisten anderen Bundesländern. Hier war das Land früher trauriger Spitzenreiter.
  • Positiv, wie erwähnt, auch die Integrationserfolge.

Es wäre schön, wenn die aktuelle Platzierung nicht Anlass zu gegenseitigen Schulzuweisungen wäre, sondern der Auftakt zu einer Verständigung, für einen gemeinsamen Blick nach vorn. Ich frage deshalb jetzt nicht, wer von 2005 bis 2012 Ministerpräsident war, sondern ich frage: Wie können wir Betreuung und Förderung junger Menschen verbessern? Was ist guter Unterricht und wie erreichen wir möglichst viel davon in Schleswig-Holstein? Wie können wir die Zahl der Bildungsverlierer schneller senken? Wie können wir unsere Hochschulen weiter stärken? Das sollten wir gemeinsam mit allen Beteiligten diskutieren. Die vom Bildungsministerium für den 8.

September eingeladene Bildungskonferenz und die bald folgende Hochschulkonferenz können dabei ein guter Anfang für Schleswig-Holstein sein.

Den Forderungen der INSM, die Betreuungsinfrastruktur zu verbessern und besonders Alleinerziehende zu unterstützen, kann ich mich anschließen. Zitat INSM: ,,Letztlich würde auch die öffentliche Hand von den Investitionen in eine Förderinfrastruktur profitieren.“ Entdeckt jetzt auch die Wirtschaft, und sei es auch nur aus ihrem ökonomischen Blickwinkel heraus, den vorsorgenden Sozialstaat? Es wäre ein Schritt in die richtige Richtung.

Link zum Bildungsmonitor:

http://www.insm-bildungsmonitor.de/