Fördern statt aussortieren!

Zu der heute veröffentlichten Umfrage des Deutschen Philologenverbandes über die Akzeptanz des Sitzenbleibens erklärt der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Martin Habersaat: Die Reaktionen von CDU und FDP auf die heute veröffentlichte Umfrage im Auftrag eines Lehrerverbandes sind ein schönes Beispiel dafür, wie man Demokratie durch Demoskopie ersetzen kann.

Zu der heute veröffentlichten Umfrage des Deutschen Philologenverbandes über die Akzeptanz des Sitzenbleibens erklärt der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Martin Habersaat: Die Reaktionen von CDU und FDP auf die heute veröffentlichte Umfrage im Auftrag eines Lehrerverbandes sind ein schönes Beispiel dafür, wie man Demokratie durch Demoskopie ersetzen kann.

Wer in einem Schulsystem aufgewachsen ist, dessen Grundprinzip die Herstellung möglichst homogener Lerngruppen durch Aussortieren ist, wird die Verschwendung von Lebenszeit durch die Wiederholung kompletter Schuljahre als naturgesetzlich akzeptieren. In vielen anderen Ländern löst es nur verwundertes Kopfschütteln aus, wenn in Deutschland Schüler wegen punktueller Schwächen in einzelnen Fächern das komplette Schuljahr wiederholen müssen.

Die SPD und die rot-grün-blaue Koalition setzen demgegenüber auf individuelle Förderung, die dieser Vergeudung von Lebenszeit entgegenwirkt, indem Schwächen zielgerichtet behoben werden.

Natürlich wird es auch künftig Fälle geben, wo die Schule, die Eltern und die Schülerin oder der Schüler selbst zu dem Ergebnis kommen, dass eine Klassenwiederholung im besten Interesse des Jugendlichen liegt, zum Beispiel, wenn durch eine langanhaltende Krankheit ein großer Teil des Schuljahres versäumt wurde. Das müssen aber Ausnahmefälle sein; das Sitzenbleiben darf nicht wie in früheren Jahrzehnten ständig wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Schüler hängen.

Wir machen Bildungspolitik auf der Grundlage eines breiten gesellschaftlichen Dialogs, nicht auf der Basis von Umfragen.

Zur Person

Martin Habersaat ist seit 2009 Mitglied des Landtages. Dort ist er Mitglied im Bildungsausschuss, Vorsitzender des Arbeitskreises Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Hochschulpolitischer Sprecher.

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