Nebenjobrekord zeigt Schieflage am Arbeitsmarkt

Nach aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) ist ein neuer Höchststand von rund 2,7 Millionen Neben- und Zweitjobs erreicht. Immer mehr Menschen in Deutschland sind auf einen Zuverdienst angewiesen. Fast jeder zehnte regulär Beschäftigte bessert sein Einkommen durch einen Zusatzjob auf.

Nach aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) ist ein neuer Höchststand von rund 2,7 Millionen Neben- und Zweitjobs erreicht. Immer mehr Menschen in Deutschland sind auf einen Zuverdienst angewiesen. Fast jeder zehnte regulär Beschäftigte bessert sein Einkommen durch einen Zusatzjob auf.

Die Lübecker Bundestagsabgeordnete Gabriele Hiller-Ohm (SPD), Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales, fordert daher dringend umfangreiche Korrekturen am Arbeitsmarkt: „Dass mittlerweile fast jede und jeder zehnte Beschäftigte in Deutschland einen Zweitjob braucht, um das reguläre Haupteinkommen aufbessern, zeigt einmal mehr das Scheitern der schwarz-gelben Bundesregierung: Wir fordern endlich eine neue faire Ordnung auf dem Arbeitsmarkt. Gute, existenzsichernde Arbeit muss wieder zur Regel werden. Leiharbeit und Minijobs sollten vor zehn Jahren in Zeiten sehr hoher Arbeitslosigkeit Brücken in feste Beschäftigung sein, wurden aber oft zum Lohndumping missbraucht. Schwarz-Gelb hat sich den letzten Jahren jedoch konsequent verweigert, die von der SPD geforderten, notwendigen Korrekturen auf dem Arbeitsmarkt vorzunehmen.

Die Beschwichtigungen aus dem Arbeitsministerium von der Leyens zu den Nebenjob-Zahlen sind zynisch: Man sieht darin kein Problem, sondern eine ‚gestiegene Konsumlust‘. Dabei zeigen doch die Statistiken seit langem, dass die Menschen Nebenbeschäftigungen vor allem aus finanzieller Not ausüben müssen: Dumpinglöhne sowie Leiharbeit und Werkverträge sind in den vergangenen Jahren erheblich angestiegen. Fast jeder und jede Vierte arbeitet in unserem Land im Niedriglohnbereich. Etwa 900.000 Beschäftigte sind Leiharbeiterinnen und -arbeiter und bekommen bis zu 40 Prozent weniger Lohn als ihre gleich qualifizierten Kolleginnen und Kollegen. Dazu kommen die rund 1,3 Millionen Menschen in Deutschland, die bereits heute ihre Löhne und Gehälter mit Sozialleistungen aufstocken, die nicht zum Leben reichen. In Lübeck haben wir rund 6.200 Aufstockerinnen und Aufstocker. Viele davon arbeiten hart, bleiben aber wegen Niedriglöhnen auf dem Niveau der Grundsicherung des Arbeitslosengeldes II. Diese Dumpinglohn-Subvention kostet den Staat jedes Jahr mehrere Milliarden Euro.

Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten wollen gute Arbeitsbedingungen. Und Arbeit, die gerecht entlohnt wird. Das gesamte Tarifsystem, Tarifbindung und -einheit muss gestärkt werden. Wir setzen uns – gemeinsam mit den Gewerkschaften – für einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn ein: Mindestens 8,50 Euro pro Stunde, überall und gesetzlich garantiert! Lohndrückerei und Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen müssen verhindert werden! Schwarz-Gelb sieht nur tatenlos zu anstatt gegenzusteuern.“