Wende: „So viel Konsens gab es nie – Dialog macht eine breite Zustimmung möglich“

Bildungsministerin Prof. Dr. Waltraud ‚Wara’ Wende hat heute (11. September) den Entwurf des neuen Schulgesetzes vorgestellt, dem das Kabinett bereits zugestimmt hat. „Wir sorgen für mehr Bildungsgerechtigkeit im Schulsystem und dafür, dass mehr Kinder einen höheren Bildungsabschluss erreichen“, sagte die Ministerin und hob hervor, dass bereits ein Jahr nach Amtsübernahme und „nach einem bislang beispiellosen Dialogprozess in Schleswig-Holstein“ ein Gesetzentwurf vorliege, bei dem alle an Schule Beteiligten im Bildungsdialog aktiv mitgewirkt hätten: „So viel Konsens bei einem Schulgesetz gab es noch nie.“

Bildungsministerin Prof. Dr. Waltraud ‚Wara’ Wende hat heute (11. September) den Entwurf des neuen Schulgesetzes vorgestellt, dem das Kabinett bereits zugestimmt hat. „Wir sorgen für mehr Bildungsgerechtigkeit im Schulsystem und dafür, dass mehr Kinder einen höheren Bildungsabschluss erreichen“, sagte die Ministerin und hob hervor, dass bereits ein Jahr nach Amtsübernahme und „nach einem bislang beispiellosen Dialogprozess in Schleswig-Holstein“ ein Gesetzentwurf vorliege, bei dem alle an Schule Beteiligten im Bildungsdialog aktiv mitgewirkt hätten: „So viel Konsens bei einem Schulgesetz gab es noch nie.“

Das neue Schulgesetz geht jetzt in die Landtagsberatung und soll zum Schuljahr 2014/15 in Kraft treten. Die wichtigste Neuerung ist, dass nach Abschluss der Grundschule zukünftig zwischen zwei Schulformen – nämlich Gemeinschaftsschulen oder Gymnasien – gewählt werden kann. Eltern, Schülerinnen und Schülern haben die Wahl zwischen Gymnasien, die eher auf homogene Lerngruppen setzen, und Gemeinschaftsschulen, zu deren Programmschwerpunkt das längere gemeinsame Lernen der Schülerinnen und Schüler gehört. „Jedes Kind soll unabhängig vom Unterstützungspotenzial seiner Herkunftsfamilie die Chance auf einen bestmöglichen Schulabschluss haben“, betonte die Bildungsministerin. In den Oberstufen können die Schülerinnen und Schüler dann zwischen drei Wegen zum Abitur wählen: „Wir haben Oberstufen an den Gemeinschaftsschulen, die Oberstufen der Gymnasien und die Beruflichen Gymnasien. Das sind drei Wege zum Abitur, drei Wege, die nicht gleichförmig, aber gleichwertig sind.“

„Gute Bildung braucht Konsens“, sagte Wende und erläuterte, dass die Anhörung von Interessenvertretungen, Verbänden, Vereinen und Gewerkschaften, die der zweiten Kabinettsbefassung vorausgegangen sei, eine breite Unterstützung für die wesentlichen Änderungen im Schulgesetz gebracht habe. „Große Zustimmung fand, dass die Regionalschulen zu Gemeinschaftsschulen umgebaut werden.“ Breite Unterstützung habe es auch für das gemeinsame Lernen als durchgängiges Grundprinzip der Gemeinschaftsschulen gegeben.

Vermisst wurden die Begriffe ‚Bildung’ und ‚Erziehung’, die durch die Formulierung ‚pädagogische Ziele‘ ersetzt worden sind. Die Ministerin betonte, dass das neue Schulgesetz die Möglichkeiten der sprachlichen Benennung dessen, was in Schule geschieht, an keiner Stelle einschränke. Die im Gesetzentwurf durchgängig gebrauchte Formulierung ‚pädagogische Ziele’ trage lediglich dem Umstand Rechnung, dass sowohl in der Alltagssprache wie auch in der Wissenschaft unter ‚Bildung’ und ‚Erziehung’ ganz Unterschiedliches, oft sogar Gegensätzliches verstanden werde. „Das Schulgesetz setzt den rechtlichen Rahmen für das, was Schule leisten soll. Hier sollten wir nicht mit Begriffen arbeiten, die mehrdeutig sind“, so Wende.

Die wesentlichen Eckpunkte des neuen Schulgesetzes:

  • Gymnasien
    An den Gymnasien wird in der Regel nach acht Jahren das Abitur erworben (G8); die elf Gymnasien, die einen neunjährigen Bildungsgang und die vier, die sowohl einen acht- wie einen neunjährigen Bildungsgang (das sogenannte Y-Modell) anbieten, können in dieser Form fortgeführt werden.
  • Gemeinschaftsschulen
    An den Gemeinschaftsschulen können drei Bildungsabschlüsse erworben werden: die ‚Berufsbildungsreife’ nach neun Jahren, der ‚Mittlere Abschluss’ nach zehn Jahren und das ‚Abitur‘ nach 13 Jahren.
  • Kooperationen
    Da nicht alle Gemeinschaftsschulen eine eigene Oberstufe haben, können Schulen ohne eigene Oberstufe Kooperationen eingehen mit Gemeinschaftsschulen, die eine eigene Oberstufe haben, mit Gymnasien und/ oder Beruflichen Gymnasien. Diese Kooperationen gewährleisten, dass die Schülerinnen und Schüler bereits mit dem Wechsel von der Grundschule in die weiterführende Schule ‚ihre‘ Oberstufe kennen. Zudem haben die Schülerinnen und Schüler – wenn sie die schulischen Leistungsvoraussetzungen erfüllen – damit auch eine Rechtsgarantie für den Besuch dieser Oberstufen. „Das bedeutet: Wenn die Schulträger von dieser Kooperationsmöglichkeit ausgiebig Gebrauch machen -, können kurz- bis mittelfristig nahezu alle weiterführenden Schulen im Land ihren Schülerinnen und Schülern de facto eine Oberstufe anbieten“, sagte die Bildungsministerin.
  • Schulorganisatorische Verbindungen
    Eine organisatorische Verbindung zwischen Gymnasium und Gemeinschaftsschule ist nicht vorgesehen. Eine Ausnahmeregel gilt für die sechs Gymnasien, die eine organisatorische Verbindung mit einer Regionalschule eingegangen sind. Hier wird, wenn am 1. August 2014 alle Regionalschulen zu Gemeinschaftsschulen umgebaut sind, eine organisatorische Verbindung ermöglicht.
  • Abschlussbezogene Klassenverbände
    An den Gemeinschaftsschulen wird es mit Ausnahme der ‚flexiblen Übergangsphase’ keine abschlussbezogenen Klassenverbände mehr geben. Der Unterricht findet hier in binnendifferenzierender Form statt. Ab der Jahrgangsstufe 7 ist es möglich, die Lerngruppen in einzelnen Fächern nach Leistungsfähigkeit und Neigung der Schülerinnen und Schüler zu differenzieren. Im Gegensatz zu den Gymnasien werden an den Gemeinschaftsschulen die Schülerinnen und Schüler auf allen Anforderungsebenen unterrichtet.
  • Regionalschulen
    Alle bestehenden Regionalschulen mit mindestens 240 Schülerinnen und Schülern werden zum 1. August 2014 in Gemeinschaftsschulen umgewandelt.
  • Abschlüsse
    An die Stelle des ‚Hauptschulabschlusses‘ tritt die Bezeichnung ‚Berufsbildungsreife‘, an die Stelle des ‚Realschulabschlusses‘ die Bezeichnung ‚Mittlerer Schulabschluss‘.

Bildungsministerin Wende freute sich, dass mit dem neuen Schulgesetz nun endlich die Debatte um Schulstrukturen abgeschlossen werden könne. Sie bedankte sich bei den am Bildungsdialog beteiligten Lehrerinnen und Lehrern, Schülerinnen und Schülern, Eltern, Verbänden, Vereinen und Gewerkschaften und erklärte: „Nun können wir – was noch viel wichtiger ist – die Verbesserung der Unterrichtsqualität ins Zentrum unserer gemeinsamen Überlegungen rücken: Der Dialog geht weiter!“