Mehr Lehrerinnen und Lehrer: Neun Millionen Euro Zensusmittel für mehr Unterricht an Schleswig-Holsteins Schulen

"Mit neun Millionen Euro zusätzlich aus Zensusmitteln und einem Maßnahmen-Paket für strategische Personalplanung sorgen wir für mehr Unterricht an unseren Schulen", sagte Bildungsministerin Prof. Dr. Wara Wende. "Wir verfolgen vor allem drei Ziele: Wir wollen den Unterrichtsausfall bekämpfen, wir wollen die Zahl der befristeten Arbeitsverträge reduzieren und wir wollen verhindern, dass hoch qualifizierte Fachlehrerinnen und Fachlehrer Schleswig-Holstein verlassen."

„Mit neun Millionen Euro zusätzlich aus Zensusmitteln und einem Maßnahmen-Paket für strategische Personalplanung sorgen wir für mehr Unterricht an unseren Schulen“, sagte Bildungsministerin Prof. Dr. Wara Wende. „Wir verfolgen vor allem drei Ziele: Wir wollen den Unterrichtsausfall bekämpfen, wir wollen die Zahl der befristeten Arbeitsverträge reduzieren und wir wollen verhindern, dass hoch qualifizierte Fachlehrerinnen und Fachlehrer Schleswig-Holstein verlassen.“

Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Martin Habersaat, sagte: „Die Küstenkoalition steht zu ihrem Wort: Wir mobilisieren alle Reserven zugunsten von Schule und Bildung! Wir haben in etlichen Fächern und in manchen Regionen des Landes einen Mangel an Nachwuchskräften und können es uns nicht leisten, dass andere Bundesländer mit uns in einen Wettkampf um materielle Angebote eintreten, den wir verlieren würden. Darum bekommen junge ausgebildete Lehrkräfte, denen noch keine feste Beamtenstelle angeboten werden kann, die Chance, zunächst auf insgesamt 200 befristeten und unbefristeten Stellen tätig zu sein, bis sie verbeamtet werden können. Die Zensusmittel geben uns dazu den nötigen finanziellen Spielraum.“

Zensusmittel eröffnen zusätzliche Möglichkeiten für Personalplanung

Auf Initiative der regierungstragenden Fraktionen sollen dem Bildungsministerium aus Zensusmitteln neun Millionen Euro für zwei Jahre (2014 und 2015) zur Verfügung ge-stellt werden, mit denen 75 zusätzliche Lehrerinnen- und Lehrerstellen geschaffen wer-den. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass Nachwuchskräfte das Land verlassen, weil ihnen aktuell keine unbefristete Planstelle angeboten werden kann. Nach Ablauf dieser beiden Jahre erhalten die Lehrkräfte dann automatisch eine reguläre – durch Pensionierung freigewordene – Planstelle. Ziel ist es, jungen hoch qualifizieren Menschen – vorzugsweise in Fächern mit besonders dringendem Bedarf – eine verlässliche Perspektive zu geben.

Mobile Vertretungsfeuerwehr

In allen Kreisen und kreisfreien Städten soll eine ‚Mobile Vertretungsfeuerwehr‘ mit je-weils fünf bis sechs Lehrkräften installiert werden. Die etwa 80 Lehrkräfte dieser Vertre-tungsfeuerwehr erhalten unbefristete Planstellen. Finanziert werden die Stellen aus Mitteln des Vertretungsfonds, mit denen in der Vergangenheit ausschließlich befristete Verträge abgeschlossen wurden. Das Ganze wird möglich, weil so genannte kw-Stellen so lange als Stellenbasis für unbefristete Einstellungen genutzt werden, bis eine reguläre Planstelle durch Altersabgang frei wird.

Vorausschauende Personalplanung

Über die 80 Stellen der Vertretungsfeuerwehr hinausgehend werden weitere 45 kw-Stellen genutzt, um qualifizierte Nachwuchskräfte im Bereich der Fächer mit be-sonderen Bedarfen für Vertretungsunterricht im Land zu halten. Auch hier gilt: Die jungen Menschen erhalten unbefristete Planstellen, die aus Mitteln des Vertretungsfonds finanziert werden. Wird durch Altersabgang eine passende Planstelle frei, werden die jeweiligen Lehrkräfte automatisch auf diese Planstelle überführt. Die kw-Stellen sollen bis Ende 2017 zur Verfügung stehen.

Mehr Flexibilität

Ausgewählten Senior-Lehrkräften (Lehrerinnen und Lehrer in Pension) soll, sofern sie Interesse daran haben, die Möglichkeit eröffnet werden, auch nach der Pensionierung eine begrenzte Zahl von (Vertretungs-)Unterrichtsstunden zu übernehmen. Die Senior-Lehrkräfte werden ausschließlich im Rahmen von plötzlich eintretenden, zeitlich befristeten Vertretungssituationen (z.B. im Fall der Erkrankung einer Lehrkraft) eingesetzt. Konkret bedeutet das: Das Bildungsministerium stellt eine Liste mit Senior-Lehrkräften und ihren Fächerkombinationen zusammen und die Schulen können im Bedarfsfall rasch und unbürokratisch berufserfahrenes und kompetentes Vertretungspersonal erhalten.

Aus ODIS wird PUSH

Das in den vergangenen Jahren eingesetzte Online-System für die Ermittlung von Unterrichtsausfall – genannt ODIS – bildet die Realität an den Schulen nur sehr unzureichend ab. Das Bildungsministerium hat sich deshalb entschieden, mit Beginn des kommenden Schulhalbjahres ein neues Online-System einzuführen. Aus ODIS (Online Datenbank – Informationssystem Schulen) wird PUSH (Portal zur Unterrichtserfassung in Schleswig-Holstein). Die Schulen bekommen für PUSH eine vom Ministerium erarbeitete Eingabemaske, in der sie nicht nur angeben, aus welchen Gründen (Krankheit, Klassenfahrt, Abiturprüfung etc.) Unterrichtsstunden nicht erteilt werden konnten, sondern in der sie auch angeben, ob, in welchem Umfang und welche Art von Vertretungsunterricht stattgefunden hat.

Um die Benutzerfreundlichkeit von PUSH zu testen und gegebenenfalls zu optimieren, arbeiten nun bis Ende November einige Schulen aller Schularten mit der neuen Einga-bemaske. Zum kommenden Schulhalbjahr startet PUSH dann an allen Schulen. Nach einer Laufzeit von zwei Jahren soll evaluiert und gegebenenfalls noch einmal optimiert werden. Dem Ministerium ist wichtig, dass die Erfassung von Unterrichtsausfall nicht zu einer neuen Belastung der Lehrkräfte führt: Nur wenn das System ohne großen Zeitaufwand bedient werden kann, wird es die nötige Akzeptanz finden.

Martin Habersaat sagte: „Eine wirksame Strategie gegen Unterrichtsausfall setzt ein effizientes Erfassungssystem voraus, über dessen Eckwerte es bereits von Monaten eine interfraktionelle Verständigung gab. Wir werden die Erfahrungen der an der Erprobung beteiligten Schulen auswerten. Wenn sich das Konzept des Vertretungspools bewährt, wird er ein fester Baustein unserer Bildungspolitik werden. Größere Bausteine können wir hoffentlich nach den Koalitionsverhandlungen auf Bundesebene bewegen, wenn aus dem Kooperationsver- ein Kooperationsgebot wird.“

„Unterrichtsausfall wird sich nie ganz vermeiden lassen“, sagte Ministerin Wende, „aber wir müssen alles dafür tun, den Unterrichtsausfall künftig so klein wie möglich zu halten.“