Schleswig-Holstein und Dänemark sollten historische Bande weiterentwickeln

Torsten Albig hat am 20. und 21. September 2014 am Kongress der Dänischen Sozialdemokraten teilgenommen und dabei auch eine Reihe von Gesprächen mit führenden dänischen Sozialdemokraten geführt. Unter anderem ist er mit der Dänischen Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt zusammengetroffen.

Torsten Albig hat am 20. und 21. September 2014 am Kongress der Dänischen Sozialdemokraten teilgenommen und dabei auch eine Reihe von Gesprächen mit führenden dänischen Sozialdemokraten geführt. Unter anderem ist er mit der Dänischen Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt zusammengetroffen.

Auf dem Kongress hielt Torsten Albig folgende Rede:

Liebe sozialdemokratische Freunde!
Es ist mir eine große Freude, Euch einen Gruß aus Schleswig-Holstein überbringen zu dürfen. Gemeinsam mit unseren dänischen Freunden vom SSW und den Grünen Regieren wir seit 2012 dieses norddeutsche Bundesland, das einmal Teil des dänischen Staates war: Wo das größte Handelszentrum Dänemarks in der Wikingerzeit lag. Wo der zweitgrößte Handelshafen nach Kopenhagen lag. Wo Hans Christian Andersen studierte und Johan Ludvig Heiberg lehrte. Wo die erste Eisenbahn Dänemarks gebaut wurde. Und wo schließlich Heerscharen hoffnungsvoller junger Menschen ihr Leben auf der „Schlachtbank Düppel“ ließen.

Liebe sozialdemokratische Freunde!
Unsere lange gemeinsame Geschichte ging vor 150 Jahren in Kanonenrauch und Kugelhagel blutig zu Ende. Und der brutale Überfall Nazideutschlands auf Dänemark 1940 und die Besatzung bis zur Befreiung am 5. Mai 1945 vertieften die Gräben ins Unendliche. Es ist ein großes Geschenk der Geschichte, dass wir heute trotzdem wieder zusammengefunden haben. Das verdanken wir vielen aufrechten Menschen, darunter nicht wenige Sozialdemokraten.

Und das verdanken wir auch der dänischen Minderheit im Landesteil Schleswig und der deutschen Minderheit in Süddänemark. Sie zeigen, dass Dänen und Deutsche miteinander leben können, so wie sie es über Jahrhunderte im alten Herzogtum Schleswig getan haben. Sie haben Brücken gebaut. Und sie sind heute der kulturelle Kitt, der unsere Länder auf eine ganz besondere Weise verbindet.

Heute ist Dänemark wieder der wichtigste Außen-Handelspartner Schleswig-Holsteins. Heute ist Schleswig-Holstein nicht ohne Grund für viele hunderte dänische Unternehmen der bevorzugte Brückenkopf in den deutschen und zentraleuropäischen Markt. Heute arbeiten wir in vielfältiger Weise über die Grenze hinweg zusammen. Heute sind wir Freunde.

Lieber Kongress!
In diesen Jahren stehen wir vor einem neuen Quantensprung in unserem Verhältnis. Im kommenden Jahr sollen die Arbeiten am Fehmarnbelttunnel beginnen, der Lolland mit der schleswig-holsteinischen Insel Fehmarn verbinden wird. Dann wachsen unsere Länder ganz neu zusammen.

Ich lade die Menschen aus Ostdänemark ein: Kommt und lernt unser Land kennen. Mit seinem kulturellem Reichtum. Mit unserem gemeinsamen historischen Erbe. Mit seinen wundervollen, abwechslungsreichen Regionen. Und mit seinen Menschen, von denen so mancher die dänische Sprache versteht und von denen sich noch mehr der dänischen und skandinavischen Kultur eng verbunden fühlen.

Ich lade Euch, meine sozialdemokratischen Freunde, auch ein, zu uns zu kommen, um andere Lösungen für die Probleme kennenzulernen, die uns als Politiker alle beschäftigen. Wir stehen vor denselben großen Herausforderungen: die wachsende Zahl älterer Menschen in unserer Gesellschaft würdig zu versorgen, den Bevölkerungsschwund im ländlichen Raum zu verarbeiten, mit knappen öffentlichen Geldern klarzukommen und dem Klimawandel entgegenzuwirken.

An unseren Grenzen stoßen heute zwei unterschiedliche Arten zusammen, die Gesellschaft zu organisieren. Das ist zuweilen ein Hindernis, wenn es darum geht, die Mobilität von Arbeitskräften und Ausbildungssuchenden zu fördern. Wir arbeiten daran, diese Hürden für die Menschen möglichst niedrig zu gestalten. Die verschiedenen Systeme in unseren Ländern können aber auch Quelle der Inspiration sein. Als deutsche Sozialdemokraten sehen wir manchmal mit Neid auf die soziale Sicherheit, die der skandinavische Wohlfahrtsstaat bietet.

Aber auch bei uns werden konkrete Lösungen für konkrete Herausforderungen gefunden, die für Euch interessant sein können. Lasst uns mehr voneinander lernen, wie man Probleme lösen kann – und manchmal auch, wie man die Dinge nicht tun sollte. Und lasst uns, wo es möglich ist, auch gemeinsam nach Lösungen für die großen Herausforderungen unserer Zeit suchen. Wir können zusammen etwas dafür tun, dass das Leben der Menschen in Dänemark und Schleswig-Holstein ein kleines Stück besser wird. Dazu lade ich Euch herzlich ein.

Lieber Kongress!
Schleswig-Holstein und Dänemark haben vieles gemeinsam. Und hier am Beginn des 21. Jahrhunderts haben wir die Chance, unsere alten historischen Bande zu einer ganz neuen Form der Gemeinschaft weiter zu entwickeln. Ich hoffe, dass Ihr gemeinsam mit uns diese Chance ergreifen werdet. Danke, dass ich das Wort erhalten habe, danke für die Aufmerksamkeit.