Zufluchtsort Schleswig-Holstein

Wer als Flüchtling nach Deutschland kommt, sucht vor allem Sicherheit. Sirwan Baban hat sich hier eine neue Existenz aufgebaut – und mit seiner ehrenamtlichen Arbeit auch viel Anerkennung gefunden.

Wer als Flüchtling nach Deutschland kommt, sucht vor allem Sicherheit. Sirwan Baban hat sich hier eine neue Existenz aufgebaut – und mit seiner ehrenamtlichen Arbeit auch viel Anerkennung gefunden.

Sirwan Baban kann die Situation von Flüchtlingen in Schleswig-Holstein beurteilen. Vor 18 Jahren ist er selber als Flüchtling nach Deutschland gekommen. Als Kurde im Irak politisch verfolgt, machte er sich mit seiner Frau und den beiden kleinen Kindern auf den Weg in die Freiheit. Über die Türkei und Griechenland kam die junge Familie zunächst nach Bayern.

Seit 2006 lebt Sirwan Baban in Kiel. Er arbeitet als Dolmetscher (für Kurdisch, Arabisch, Türkisch und Persisch) und Betreuer. Der gelernte Sozialarbeiter kümmert sich auch ehrenamtlich um Flüchtlinge beim Projekt „St@rtbüro“, einer Anlaufstelle für Migranten in Kiel-Mettenhof. Seit über zehn Jahren ist er Mitglied der SPD.

„Was in Schleswig-Holstein läuft, ist vergleichsweise gut“, so seine Einschätzung. Hier finden die Flüchtlinge Sicherheit und eine Zukunftsperspektive. In der Zentralen Gemeinschaftsunterkunft in Neumünster werden die Neuankömmlinge gut versorgt. Der 45-Jährige sieht aber auch Unterschiede: „In Bayern habe ich mich immer als Asylant gefühlt, in Schleswig-Holstein bin ich ein Mensch.“ Im Norden herrsche eine andere Mentalität.

Viele Flüchtlinge seien hoffnungslos und verzweifelt, Schleuser haben ihnen oft ihr gesamtes Geld abgenommen. Deutschland und Skandinavien seien die bevorzugten Ziele, denn hier gehe es menschlich zu. Zwar seien die Asylverfahren mit viel Bürokratie verbunden, „aber das gehört dazu“, sagt Sirwan Baban. Deutschland sei eben ein Rechtsstaat.

Land und Kommunen sind gefordert

Die steigende Zahl von Flüchtlingen fordert von Land und Kommunen zusätzliche Anstrengungen. Serpil Midyatli, migrationspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, ist dennoch optimistisch: „Wir werden alle gut unterbringen. Aber wir haben auch höhere Ansprüche an die Qualität als andere Bundesländer.“ Ziel sei die dezentrale Unterbringung. In den zentralen Einrichtungen für die Erstaufnahme in Neumünster und künftig in Boostedt sollen die Flüchtlinge nur einige Monate zubringen. Hier werden die Asylanträge gestellt.

„Das schafft auch einen Zeitpuffer. Die Kommunen können sich besser auf die Neuankömmlinge vorbereiten“, erklärt Serpil Midyatli.