Es bleibt bei der Wahlfreiheit zwischen G8 und G9

Die Landesschülervertretung und der Landeselternbeirat der Gymnasien haben sich im Rahmen des Bildungsdialogs für das jetzige Modell ausgesprochen. Die Strukturdebatte sollte mit den Bildungskonferenzen beendet sein. Jetzt stehen wichtigere Themen an, es bleibt genug zu tun.

Klassenzimmer
Klassenzimmer Bild: pixabay

Zu der heute vom Präsidenten der Europa-Universität Flensburg, Prof. Werner Reinhart, erhobenen Forderung, auch an Gymnasien zum Abitur nach neun Jahren (G9) zurückzukehren, erklären die bildungspolitischen Sprecherinnen und Sprecher von SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Martin Habersaat, Anke Erdmann und Jette Waldinger-Thiering.

Anke Erdmann: „Der Bildungsdialog, den die Küstenkoalition nach ihrem Amtsantritt initiiert hat, hat sich mehrheitlich für eine Struktur, G8 an Gymnasien und G9 an den Gemeinschaftsschulen, ausgesprochen. Die Ausnahmen an 15 Schulen haben Bestandsschutz erhalten. Die Schulen brauchen Ruhe, das war der Grund dafür. CDU und FDP versprechen jetzt vollmundig Lösungen für vermeintliche Probleme, die wir ohne sie nicht hätten. Denn erinnern wir uns: es waren seinerzeit Union und FDP, die durch Land getrabt sind, um G8 für Schleswig-Holstein zu fordern. Wir haben das akzeptiert, es macht keinen Sinn, permanent die Pferde zu wechseln.“

Martin Habersaat
Martin Habersaat

Martin Habersaat: „Die Landesschülervertretung und der Landeselternbeirat der Gymnasien haben sich im Rahmen des Bildungsdialogs für das jetzige Modell ausgesprochen. Die Strukturdebatte sollte mit den Bildungskonferenzen beendet sein. Jetzt stehen wichtigere Themen an, es bleibt genug zu tun.“

Jette Waldinger-Thiering: „G8 ist im europäischen Vergleich der absolute Normalfall; früher waren deutsche Abiturienten regelmäßig ein Jahr älter als die in anderen Ländern, wenn sie vor der Entscheidung für ein Studium oder eine berufliche Ausbildung standen. Daher ist die Beobachtung, deutsche Abiturienten seien für beides zu unreif, wenn sie ihr Abitur nach acht Jahren abgelegt haben, schwer nachvollziehbar. Denn G8/G9 haben nichts mit Reife zu tun; vielmehr ergibt sich durch G8 die Chance, z.B. durch Freiwillige Soziale oder Kulturelle Jahre die soziale Kompetenz ausreifen zu lassen und an Lebenserfahrung zu gewinnen. Eine Reifeverzögerung junger Deutscher gegenüber Engländern, Franzosen oder Italienern wird wissenschaftlich nicht leicht nachweisbar sein.“

Die Parteien der Küstenkoalition werden deshalb an diesem mittlerweile in der Fläche breit verankerten Wahlangebot nichts ändern.