Ein starkes Zeichen – gegen sexualisierte Gewalt als Kriegswaffe!

„Dass mit Nadia Murad und Denis Mukwege zwei Menschen in diesem Jahr den Friedensnobelpreis erhalten, die unter größtem persönlichen Einsatz gegen sexualisierte Gewalt als Kriegswaffe aufgestanden sind und sich für deren Opfer einsetzen, begrüßen wir als „Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen“ (AsF) sehr, sag die Landesvorsitzende und stellv. Bundesvorsitzende der AsF, Cornelia Östreich.

Cornelia Östreich
Cornelia Östreich Bild: Steffen Voß / CC-BY-SA

Die Verleihung des Friedensnobelpreises 2018 an Nadia Murad und Denis Mukwege setzt ein starkes Zeichen gegen Vergewaltigung als Kriegswaffe. Denn als Kriegswaffe wird sexualisierte Gewalt – in erster Linie gegen Frauen – benutzt, um den Gegner zu ‚entehren‘ und dadurch zu brechen. Besonders tragisch ist, dass viele der so misshandelten Frauen auch noch den Rückhalt in ihrer Gemein­schaft verlieren, da Vergewaltigung als ein Tabu gilt.

Umso wichtiger, dass hier zwei Menschen das Tabu durchbrochen, sexualisierte Kriegsverbrechen öffentlich gemacht und den Betroffenen Würde und Hoffnung zurückgegeben haben. Die Politik darf hinter diesen Durchbruch nie mehr zurückfallen. Sexualisierte Gewalt als Kriegswaffe muss in jedem Konflikt thematisiert, ihre Verursacher verfolgt und den Opfern konsequent geholfen werden. Dazu gehört auch ein besonderer Anspruch auf Asyl!

Außerdem ist zu prüfen, ob der Umgang der Einzelstaaten mit der UN-Resolution 1325 – über die gleiche Beteiligung von Frauen an Friedensprozessen – den Erkenntnissen über sexualisierte Gewalt als Kriegswaffe standhält, welche wir dem Engagement von Nadia Murad und Dr. Mukwege verdanken. Der einschlägige Nationale Aktionsplan der Bundesregierung wird sich daran messen lassen müssen, wie gut und wie nachhaltig er Frauen und Mädchen in Konflikten vor solchen Kriegsverbrechen schützt!

Über die Preisträger*in führt Cornelia Östreich aus: „Nadia Murad war selbst von solcher Gewalt betroffen: Als Jesidin galt sie für den IS als „ungläubig“, der ihr Dorf im Irak überfiel, ihre Verwandten tötete und sie – zusammen mit anderen Frauen und Mädchen – verschleppte und sexuell misshandelte. (Dem land­läufigen Sprachgebrauch „Sex-Sklavin“ schließt sich die ASF nicht an und erwartet auch von Journalist*innen in Zukunft eine besonnenere Wortwahl.) Seit sie sich selbst aus der Gefangenschaft befreien konnte, ist sie zur Mahnerin der Weltgemeinschaft geworden – und zur Anwältin aller Frauen, die ein ähnliches Schicksal erlitten. 

Der kongolesische Gynäkologe Dr. Mukwege versucht nicht nur in seinem Beruf die unmittelbaren Folgen von Vergewaltigungen und anderen sexuellen Misshandlungen zu heilen, sondern prangert auch die Planmäßigkeit solcher Taten – im Rahmen kriegerischer Konflikte in seinem Land – an. Selbst ein 2012 auf ihn verübtes Attentat konnte ihm diesen Mut nicht rauben.“

Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen