: SPD-MdB Rossmann, Europa-Expertin Randzio-Plath und Nordkirchen-Vertreter Reißner diskutierten in Rellingen über den Hamburger G20-Gipfel.
Rellinger Gespräche

„Der G20-Gipfel ist keine Weltregierung!“

„Trotz berechtigter Kritik an der Zusammensetzung des Gipfels, wie beispielsweise mangelnder Transparenz, ist es wichtig, dass die Staats- und Regierungschef sich verständigen.“ So brachte die ehemalige SPD-Europaabgeordnete Prof. Dr. Christa Randzio-Plath die inhaltliche Nachbetrachtung des Hamburger G20-Treffens auf den Punkt. Als Referentin der „Rellinger Gespräche“ war die Hamburgerin der Einladung des Kreis Pinneberger SPD-Bundestagsabgeordneten Dr. Ernst Dieter Rossmann und der örtlichen SPD gefolgt.

Bedauern herrschte bei den Beteiligten, dass die Beratungen selbst bei der öffentlichen Wahrnehmung völlig in den Hintergrund geraten waren. „Die Krawalle und deren Aufarbeitung verdrängen leider die inhaltliche Auseinandersetzung. Dabei ist das Abschlussdokument wichtig für die Weltbevölkerung“, so Rossmann.

Der zweite G20-Fachmann, Jürgen Reißner vom kirchlichen Entwicklungsdienst der Nordkirche, unterstrich, dass die G20 weder eine Weltregierung ist noch in irgendeiner Form die UNO ersetzen solle. Positiv sehen beide Experten, dass die Bestätigung des Klimaabkommens durch 19 Staaten und die damit einher gehende Isolierung der USA ein Signal ist. „Außerdem wurden neben den weltwirtschaftlichen Aspekten auf Druck der Zivilgesellschaft endlich die Themen Gesundheit und Frauenrechte mit in die Agenda aufgenommen“, freute sich Randzio-Plath. Im Abschlussdokument betonten die Staats- und Regierungschefs der 19 Länder sowie Donald Tusk als Repräsentant der EU, dass ein offener, fairer Welthandel oberste Prämisse sei. „Aber die ständige Wachstumsorientierung ist kritisch“, so Reißner.

„Aber was ist denn nun dieses Abschlussdokument wert“, fragte Rossmann kritisch nach – eine Frage, die auch den anwesenden Bürgerinnen und Bürgern auf der Seele brannte. „Das Abschlussdokument ist im Prinzip ein Gesprächsprotokoll“, betonte Prof. Dr. Randzio. In dem Sinne sei das Abschlussdokument nicht verbindlich. „Aber wenn sich alle einig sind, hat es aufgrund der Öffentlichkeit eine symbolische Verbindlichkeit“, erläuterte die Expertin. Randzio-Plath bemerkte außerdem, dass sich auch zivilgesellschaftliche Gruppen, Finanzminister sowie die Zentralbankenchefs treffen.

Rossmann resümierte, dass der G20 im Sinne der Weltgemeinschaft stattfinden, aber auch wandern muss. „Nur so sind die Schattenseiten der Globalisierung zu ändern“, so Rossmann.

Foto: Kritik und positive Signale: SPD-MdB Rossmann, Europa-Expertin Randzio-Plath und Nordkirchen-Vertreter Reißner diskutierten in Rellingen über den Hamburger G20-Gipfel.