Bettina Hagedorn_Foto: Steffen Voß
Bettina Hagedorn, MdB, im Interview

Gerechtigkeit und Investitionen

Bettina Hagedorn steht auf Platz eins der SPD-Landesliste zur Bundestagswahl. Sie blickt auf 15 Jahre Erfahrung als Parlamentarierin zurück – und bringt im Interview auf den Punkt, worum es am 24. September geht.

Warum muss Martin Schulz Kanzler werden?

Damit der Plan von Frau Merkel und Herrn Schäuble, milliardenschwere Steuergeschenke an Spitzenverdiener und reiche Erben zu verteilen sowie den Wehretat zu verdoppeln, gestoppt wird. Stattdessen wird Martin Schulz diese 30 Milliarden Euro in Schulen, Kinderbetreuung und Forschung investieren und unsere sozialen Sicherungssysteme speziell im Bereich Pflege, Gesundheit und Rente stärken. Anstatt Deutschland aufzurüsten, wird er sich glaubwürdig für ein geeintes, solidarisches Europa engagieren und gegenüber Populisten und Nationalisten deutlich Haltung zeigen.

Was wird sich mit einer SPD-geführten Bundesregierung ändern?

Gerechtigkeit heißt, dass die wachsende Kluft zwischen der Mehrheit der Normalverdiener und der kleinen Clique von Reichen endlich gestoppt wird, dass bessere Bildungschancen für alle Kinder ohne horrende Betreuungskosten gesichert werden, dass Wohnraum kein Luxus wird und gute Pflege am Lebensende für alle bezahlbar bleibt. Darum wollen wir eine schrittweise kostenfreie Bildung von der Kita bis zum Studium oder der Ausbildung. Wir wollen eine Bürgerversicherung für alle und als ersten Schritt, dass Arbeitgeber endlich wieder Beiträge in gleicher Höhe zahlen müssen wie ihre Arbeitnehmer. Wir wollen kleine und mittlere Einkommen entlasten und stattdessen die Reichen steuerlich stärker zur Kasse bitten.

Wie will die SPD ihrem Ruf als Arbeitnehmerpartei gerecht werden?

Als gelernte Goldschmiedin und Mutter von drei Söhnen, die alle Handwerker sind, weiß ich, wie wichtig faire Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen sind. Unbefristete, tarifgebundene Jobs müssen auch für junge Menschen wieder selbstverständlich werden – wer in Vollzeit arbeitet, muss mit seiner Familie gut leben können. Wir wollen Leiharbeit und Werkverträge wirksam begrenzen, den Rechtsanspruch für die Rückkehr in Vollzeit und gleiche Bezahlung für Frauen und Männer durchsetzen sowie die Meisterausbildung endlich kostenlos anbieten.

Welche Antwort gibt es auf den demographischen Wandel?

Frau Merkel kneift bei der Rentenfrage, weil ihre CDU die „Rente mit 70“ will – wir hingegen wollen das heutige Rentenalter und -niveau auch über 2030 hinaus sichern und gleichzeitig die Beiträge für die Arbeitnehmer auf Dauer stabil halten. Das wird Milliarden kosten, aber nur so entsteht Gerechtigkeit für Jung und Alt.
Wir wollen nach jahrelanger Blockade durch die CDU/CSU endlich ein Einwanderungsgesetz durchsetzen, das kontrollierte Zuwanderung zu unser aller Wohl ermöglicht. Im Bildungs-, Pflege- und Gesundheitsbereich ist der Fachkräftemangel schon heute groß. Die sozialen Berufe mit hoher Qualifikation, Belastung und Verantwortung brauchen mehr Anerkennung und bessere Vergütung, um genug Nachwuchskräfte zu bekommen.

Wie könnte Schleswig-Holstein von einem Wechsel im Kanzleramt profitieren?

Schleswig-Holsteins Kommunen würden durch die von der SPD geplanten Investitionen im Kita- und Schulbereich massiv profitieren.
Investitionen in unsere Infrastruktur sind ebenso wichtig. Der sechsspurige Ausbau der Rader Hochbrücke, der Ausbau der Marschbahn und die S4 oder das LNG-Terminal für Brunsbüttel müssen noch finanziell abgesichert werden. Ein Berliner Verkehrsminister ohne CSU-Parteibuch wäre für Schleswig-Holstein in jedem Fall ein Gewinn.

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