Delara Burkhardt

Delara Burkhardt

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Fichtenweg 54

22962 Siek
Bild: Max Fischer

Liebe Genossinnen und Genossen,

letzten Sommer bin ich als stellvertretende Juso-Bundesvorsitzende nach Sarajevo geflogen, um an einer Delegationsreise der Friedrich-Ebert-Stiftung teilzunehmen. Bosnien ist potentieller EU-Beitrittskandidat und die Tage waren vollgepackt mit Diskussionsrunden, Gesprächen und Treffen mit Genossinnen und Genossen unserer Partnerorganisationen.

Hängen geblieben ist bei mir aber eine ganz andere Situation. Ich war schon auf dem Weg zum Flughafen, als Eveldin, der Fahrer der FES, meinte, er müsse mir noch etwas zeigen, bevor ich abreise. Wir sind dann einen Umweg gefahren und kurze Zeit später standen wir in dem kleinen, nur etwa eineinhalb Meter hohen Tunnel, über den die belagerte Stadt während des Bosnienkriegs mit Gütern versorgt wurde.

Eveldin war einer dieser Menschen, die kiloweise Lebensmittel und Medikamente durch diesen Tunnel geschleppt haben, während über ihm die Stadt unter Beschuss stand. Das ist gerade einmal 25 Jahre her. Und als Eveldin das alles erzählte, ist mir eines klargeworden: Der Frieden, mit dem ich aufgewachsen bin, ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Die Europäische Union garantiert diesen Frieden. Wer sie in Frage stellt bedroht das friedliche Zusammenleben in Europa. Das macht die aktuelle Entwicklung so gefährlich.

Europa in der Krise

Europa befindet sich im dauerhaften Krisenmodus. Das einzigartige Friedens- und Kooperationsprojekt droht an seinen inneren und äußeren Spannungen zu zerbrechen. Das liegt auch daran, dass wir diese Gründungsmotive in den letzten Jahren vernachlässigt haben. Im Zuge der Finanz- und Bankenkrise wurde die Investitionsfähigkeit der von der Krise betroffenen Staaten durch neoliberale Austeritätspolitik massiv eingeschnitten.

Die wirtschaftliche Ungleichheit innerhalb und zwischen den Staaten vergrößert sich dadurch extrem: Heute lebt jedeR vierte BürgerIn in der EU in Armut und eine ganze Generation droht wegen hoher Jugendarbeitslosigkeit und der Prekarisierung von Arbeitsverhältnissen verloren zu gehen. Gleichzeitig zwingen Kriege, Verfolgung wirtschaftliche Not und der Klimawandel Millionen von Menschen sich auf die Flucht nach Europa zu begeben. Und die Europäische Gemeinschaft? Die reagiert mit Abschottung und nimmt in Kauf, dass diese Menschen vor den Grenzen Europas ertrinken.

Das ist nicht das Europa, das für sich in Anspruch nimmt, eine starke Stimme der Menschenrechte in der Welt zu sein. Das ist nicht das Europa für das ich kämpfe.

Wer gibt die Antworten?

Das ist nicht das Europa, das für sich in Anspruch nimmt, eine starke Stimme der Menschenrechte in der Welt zu sein. Das Erstarken antieuropäischer, demokratiefeindlicher und nationalistischer Bewegungen haben genau wie die Brexit-Entscheidung gezeigt, dass viele Menschen Europa nicht mehr als Lösung, sondern als Teil des Problems sehen.

Und die europäische Sozialdemokratie? Die befindet sich überall auf dem Rückzug. Die SPÖ in Österreich, die PvdA in den Niederlanden, die PS in Frankreich – die Liste einst starker und heute schwacher Parteien lässt sich traurig lange weiterführen. Zur Jahrtausendwende waren es noch 15 EU-Staaten, die von SozialdemokratInnen regiert wurden. Heute sind es noch fünf.

Die Sozialdemokratie hat es sich in der Rolle des Reparaturbetriebs bequem gemacht, es fehlt an Visionen und Durchsetzungskraft. Und wer keine Visionen hat, hat keine Antworten.

Mehr als eine Wirtschaftsunion

Für die Sozialdemokratie muss eines klar sein: In einer globalisierten, digitalisierten Welt können soziale und wirtschaftliche Schieflagen nur global gelöst werden. Nationale Lösungen gibt es nicht. Das gilt weder für die Bekämpfung von Online-MonopolistInnen wie Amazon oder Google, noch für eine Finanztransaktionssteuer, die SpekulantInnen endlich an den Kosten der Krise beteiligt, die sie im letzten Jahrzehnt ausgelöst haben.

Deshalb braucht es mehr Europa und weniger Nationalstaat. Und es liegt an uns, dem rechten Zeitgeist zu widersprechen. Der Politik der Spaltung müssen wir die Vision eines vereinten, solidarischen Europas entgegensetzen. Statt neoliberalem Sparkurs brauchen wir soziales, nachhaltiges Wachstum und Investitionen in die Zukunft. Und um die soziale Spaltung wirksam zu bekämpfen, darf die EU nicht beim Status einer Währungsunion stehenbleiben. Was wir brauchen ist eine europäische Sozialunion mit Systemen sozialer Sicherung und hohen Standards für gute Arbeit.

Europa muss mehr sein als eine Wirtschaftssunion. Europa muss das Versprechen sein, dass ganze Generationen in Frieden und sozialer Sicherheit leben können.

Um für diese Vision zu kämpfen, bewerbe ich mich für eine Kandidatur für das Europäische Parlament. Alleine kann ich diese Vision aber nicht durchsetzen. Dazu brauche ich die Hilfe der zahlreichen Genossinnen und Genossen unserer europäischen Schwesterparteien, die ich in drei Jahren internationaler Arbeit für den Juso-Bundesvorstand kennenlernen durfte. Vor allem aber brauche ich die Hilfe von euch.

Unsere Vision von Europa kann nur dann funktionieren, wenn wir sie auf allen Ebenen leben. Gleichzeitig ist es mir wichtig vor Ort zu zeigen, wie die Europäische Union unseren Alltag – auch in Schleswig-Holstein – berührt. Ich möchte sowohl im direkten Gespräch als auch über soziale Medien nicht nur Einblicke in die Arbeit im Parlament geben, sondern einladen mitzudiskutieren und mitzumachen. Für mich ist Europa kein Politikfeld, sondern ein Lebensraum, den wir als Sozialdemokratie von der Kommune bei uns zu Hause bis nach Brüssel gemeinsam gestalten.

Ein Bewerbungsschreiben alleine reicht nicht aus, um meine Motivation und Vorstellungen zu beschreiben. Schreibt mir eine Mail oder im sozialen Netzwerk eurer Wahl, klingelt durch oder ladet mich zu euch ein – ich freue mich mit euch ins Gespräch zu kommen!

Solidarische Grüße
Eure Delara Burkhardt

Lebenslauf

Ausbildung und Beruf

Seit 01/2017 Projektmanagement in einer Hamburger Corporate Communications Agentur
Seit 10/2016 Masterstudium Sozialökonomie an der Universität Hamburg (ehem. HWP)
Seit 01/2013 Stipendiatin der Friedrich-Ebert-Stiftung
2014–2016 Erstellung frauenpolitischer Arbeitsmarktreporte beim DGB Bezirk Nord
2012–2016 Bachelorstudium Soziologie und Politikwissenschaften an der CAU Kiel
2012–2014 Mitarbeiterin bei Tobias von Pein, MdL
2012 Abitur an der Stormarnschule in Ahrensburg
* 03.11.1992 In Hamburg, aufgewachsen in Siek, Kreis Stormarn

Politik

Seit 06/2018 Vorstand des Willy-Brandt-Center Jerusalem e.V.
Seit 10/2017 Teamerin in der gewerkschaftlichen Berufsschularbeit bei der DGB Jugend
Seit 11/2015 Stellvertretende Bundesvorsitzende der Jusos in der SPD
Seit 06/2012 Beisitzerin im Kreisvorstand der SPD Stormarn
2009 Eintritt in die SPD

Weitere Mitgliedschaften

Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), Förderverein Willy-Brandt-Center Jerusalem e.V., Proms Nord e.V.

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